Von Rentieren, Elchen und Schnee-Engeln… Achtung, so lang wars noch nie....

{Dieses Posting enthält Werbung aufgrund Marken- und Namennennung, aber wir haben alles selbst bezahlt...}

Was lange währt wird endlich gut....Hier kommt er endlich - der Schweden-Bericht.
Drei Monate später, aber immerhin...

Und obwohl draußen der Frühling heftigst am Erblühen ist, geb ich euch jetzt nochmal die volle Ladung Schnee...einfach weils so schön war.
Und wollen wir nicht alle grad ein bisschen von Urlaub wenigstens träumen....




Nicht wundern - ich hab schon im Flieger angefangen zu tippen und mag nicht den Anfang nochmal anpassen.. 
Ich lass das jetzt so...

Viel Spaß beim Lesen und beim Kucken:

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Da ich euch ja die letzten Urlaubsberichte (Schottland und Harz) bis heute schuldig geblieben bin,
tippe ich euch den Reisebericht unseres Trips nach Jokkmokk in Schweden hier schon im Flieger auf dem Rückweg.

Das Buch ist ausgelesen (das erste seit Ewigkeiten und sehr zu empfehlen [Anmerkung der Redaktion: „Der Geschmack von Apfelkernen“ von Katharina Hagena, sehr kurzweilig aber ein typisches Frauenbuch]) und so bietet sich die Zeit im dritten Flieger für heute an, euch kurz zu berichten, was wir so erlebt haben… keine Sorge, so lang wird es nicht (Anmerkung vom 01.04.2020: Ha ha ha)… ich empfehle jedem der Schnee liebt (nur „mögen“ reicht glaube ich nicht) den Trip so oder so ähnlich einfach selbst zu machen.

Wie vielleicht einige von euch wissen, buchen wir gern Gruppenreisen.

Gruppenreisen haben den unschlagbaren Vorteil, dass sich jemand von vorn bis hinten um dich kümmert – wenn du das willst (alle Aktivitäten bei einer Standorttour sind freiwillig, alles kann, nichts muss…. Anders verhält sich das nur beim Trekking wir wir das auf Madeira gemacht haben – hier sollte man die Wandertouren schon mitmachen um hinterher wieder bei seinem Gepäck im richtigen Hotel zu landen….).

Und auf Gruppenreisen ist man mit anderen Menschen zusammen.
Okay, es sind immer Menschen dabei mit denen man so überhaupt gar nichts anfangen kann - oder will – oder die man sich unter einen hohen Schneehaufen wünscht, aber es sind auch immer Menschen dabei die zumindest ähnlich ticken wie man selbst und mit denen man dann den Abend gemeinsam bei einem Bier an der Bar ausklingen lassen kann…

Unsere Gruppe dieses mal bestand aus 48 Teilnehmern und zwei Reiseleiterinnen unterschiedlichen Alters und aus unterschiedlichen Gegenden von Deutschland (und dem belgischen Grenzgebiet).
Gebucht haben wir unsere Reise bei Wikinger Reisen. Mit denen waren wir schon auf Madeira und Island und jedes Mal zufrieden.

Wikinger bietet diese Reise nach Jokkmokk nur als Silvester-Reise an und das jetzt wohl schon eine ganze Weile.
Wer mir auf Instagram oder Facebook folgt, weiß, dass der eigentliche Urlaub fünf Tage dauert + 2 Reisetage….

Die Reisetage sind so ein Ding. Hin haben wir 17 Stunden gebraucht,  3 Flüge, mehrere Flughafentoiletten, drei Stunden Auto- bzw. Busfahrt und lange Wartezeiten am Flughafen…. Der Rückweg – auf dem ich mich wenn ich das schreibe noch befinde (grad werden die Tragflächen enteist… sehr witzig, mit grünem Schleim) – wird 15 Stunden in Anspruch nehmen.
Das ist jetzt nicht so schick, aber ist halt so wenn man nach oberhalb des Polarkreises will. Fertig.

Noch schnell ein paar Worte zum Gepäck.
Wir waren mit insgesamt 28 kg Gepäck verteilt auf zwei Trecking- und zwei Wanderrucksäcke unterwegs. 14 kg pro Person für einen Winterurlaub ist gar nicht so viel wie ich finde. War aber trotzdem zu viel. Die vielen Fleecejacken und diverse lange Unterhosen hätten wir gar nicht gebraucht. Wichtig sind warme Winterstiefel oder Winterwanderschuhe mit gutem Profil und reichlich Platz damit sich die Füße/Zehen bewegen können, eine gute Winterjacke, eine warme und eine wärmere Mütze, was für den Hals (ich hatte einen Fleecekragen, ähnlich dieses Stoff-Buffs die man als Stirnband, Halstuch oder Mundschutz nutzen kann, nur halt aus Fleece), lange Unterhosen (nur nicht zu dick!) T-Shirts, lange Unterhemden und natürlich Skihosen… bloß keine Jeans mit langen Unterhosen drunter…. Das wird zu kalt. Und Handschuhe. Hier kann ich keine Empfehlung aussprechen – ich hab meine kaum gebraucht (ich hab immer warme Hände) und wenn hatte ich nur sehr dünne Handschuhe an…. Nur beim Hundeschlittenfahren sind dicke Handschuhe angebracht, die bekommt ihr aber dort. Wir gesagt, ich bin aber kein Maßstab, ich hab hier – trotz teilweise 18 Grad unter Null eher geschwitzt….

Die Temperaturen schwanken laut den Einheimischen hier Ende Dezember häufig. Wir hatten von  -18 Grad tagsüber bis 2 Grad über Null alles dabei.

Das Hotel in Jokkmokk („Hotel Jokkmokk“) ist ein Mittelklassehotel mit einfachen Zimmern und gutem Essen (Buffett). Wasser und Kaffee gibt es hier rund um die Uhr umsonst. Die Zimmer sind wie gesagt einfach, aber sauber. Fernsehen ist schwedisch oder englisch – braucht man aber nicht.

Was noch zu sagen ist – hier ist es den größten Teil des Tages dunkel! Die Sonne geht gegen 10 Uhr auf und gegen 13 Uhr unter… es gibt eine lange Dämmerung, aber um 15.30 Uhr ist hier finstere Nacht. Daran muss man sich erstmal gewöhnen, aber das Leben hier und das Reiseprogramm ist dem angepasst. Der Tag ist trotzdem ausgefüllt (Wir hatten Angst dass uns langweilig wird... aber weit gefehlt ;-).

So nun aber zum eigentlichen Bericht.

Am Anreisetag passiert nicht mehr viel. Wir waren glaub ich gegen 19 Uhr im Hotel, schnelles Einchecken und Abendessen. Erste Infos gab es schon auf der 2-stündigen Busfahrt von Lulea nach Jokkmokk.






Unser eigentlicher Urlaub beginnt am nächsten Tag. Die 48 Personen wurden schon im Bus in Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe wird um 8.30 Uhr abgeholt zu einer Aktivität, die wir erst in den kommenden Tagen machen werden. Für uns geht es gleich auf die erste Wanderung in den Schnee.

Wanderungen hier sind anders wie die, die wir sonst so machen. Zum einen gibt es hier nicht genug Licht um 25 Kilometer zu laufen (und sich dann nicht zu verlaufen) und schon gar nicht im Tiefschnee. Das ist dann doch recht anstrengend. Zum anderen sind die -15 Grad nicht wirklich was für jeden…






So laufen wir eine nette 3-Stunden-Runde rund um Jokkmokk. Schnee gibt es reichlich, im Verlauf der Wanderung sogar wieder von oben. Zu Lachen gibt es auch reichlich. Zu mindest bei Herrn Berger und mir als wir immer wieder versuchen uns die schwer mit Schnee beladenen Äste gegenseitig auf den Kopf zu schütteln, oder aber wenn man mal wieder vom Weg abgekommen ist und mit dem Bein eine halben Meter tief im Schnee steckt.
















Nach einer kurzen Pause im Hotel geht es gemeinsam mit allen ins „Sampi“-Museum… die Samen sind die „Ureinwohner“ des Lapplandes. Lappen werden sie aber nicht gern genannt, das ist eher ein Schimpfwort. Sie nennen sich selbst „Sami“. Im Museum wird alles zur Geschichte, der Umterdrückung und dem noch immer andauernden Kampf der Samen, aber auch viel über ihre unglaublich tolle und bunte Kultur und ihre Wanderungen mit den Rentieren erzählt.
Das Museum ist sehr zu empfehlen. Man kann eine englische Tour machen oder aber sich von der Wikinger-Reiseleitung übersetzen lassen. Außerdem gibt es Audioguides und einen deutschen Erklärungsflyer… wir waren wirklich beide sehr begeistert und haben das Museum noch lange allein erkundet.






Als wir gegen 15.30 Uhr das Museum verlassen ist es draußen schwarze Nacht. Autos sind sehr wenige auf den Straßen, so dass man ein wenig das Zeitgefühl verliert. Man muss ständig auf die Uhr kucken um sich zu vergewissern dass es nicht schon 23 Uhr ist ;-)
Man gewöhnt sich daran – aber die ersten beiden Tage ist das echt befremdlich.

Direkt gegenüber des Museums befindet sich eine hübsche helle Holzkirche, die man zumindest von außen mal gesehen haben sollte. Mit all dem Schnee und der warmen Beleuchtung wirkt das ein wenig wie im Märchenfilm. Rein haben wir es allerdings in den Tagen nicht geschafft.






Zurück durch den Ort kommt man an einigen netten Geschäften und zwei Supermärkten vorbei.
(Die Läden stehen hier auf Kreditkarte, Bargeld geht, ist aber nicht so gern gesehen).
Kaufen kann man hier alles wie bei uns auch – allerdings Alkohol nur bis „Leichtbier“. Wer „das harte Zeug“ will muss in ein „Systembolaget“ gehen. Dort bekommt man alles, allerdings zu schwedischen Preisen. Wir waren nur mal schauen, von all den Erlebnissen ist man so trunken, dass man nicht auch noch Alkohol braucht.

Auch in den schwedischen Städten ist es nicht unbedingt üblich, dass Rentiere oder gar Elche durch die Stadt laufen, daher war die Besitzerin eines kleinen Handwerks-Ladens schon ein wenig aufgeregt, als sie uns erzählt hat, das im Ort wohl gerade eine Elchkuh mit ihren beiden Jungen unterwegs ist. Wir haben uns auf die Suche gemacht – wurden aber leider nicht fündig…noch nicht.
(Einer unserer Mitreisenden allerdings hatte aber Glück und konnte die drei unter einer Laterne entdecken und aus der Entfernung Fotos machen…)

Nach einer kurzen Besprechung über den Verlauf des nächsten Tages, eines netten Abendessens und netten Gesprächen, ging es ab ins Bett.

Der nächste Tag startet etwas später und mit einer Enttäuschung – denn es ist warm. Warm heißt um die 0 Grad – und ich sehe den ganzen hübschen Schnee schon schmelzen.
Tatsächlich dauert es auch nicht wirklich lange bis die weiße Pracht von den Bäumen verschwunden ist. Was aber noch viel schwieriger ist – hier wird es gleich spiegelglatt. Der Boden ist so kalt, dass jeder Tropfen von oben fast sofort auf dem Boden gefriert. Und es ist Eisregen für den späten Nachmittag angesagt.

Unser Busfahrer, der uns zu einem Eishotel im 3 Stunden entfernten Jukkasjärvi bringen soll ist deshalb ein wenig unentspannt (also ein wenig unentspannt – nicht so wie wenn es hier in Dortmund kurz schneit und die halbe Welt vergisst, wie man Auto fährt!). Er fährt natürlich trotzdem los uns nach einer kurzen „Fika“ (so heißen hier die Kaffeepausen, auf die der Schwede immer und überall besteht – am besten mit einer Zimtschnecke) und einer angenehmen Fahrt mit vielen „Ohhhhhhs“ und „Aahhhhhs“ und „ach wie süß“ wegen der vielen Rentiere am Straßenrand, landen wir heil am Eishotel.










Tagsüber ist das Hotel wie ein Museum und steht für Besucher offen. Wer hier übernachtet bleibt nur für eine Nacht, erstens ist es kalt und zweitens nicht wirklich günstig (Übernachtungen im Standard-„Zimmer“ gibt es für 400 Euro, im Designzimmer für 600 Euro und die Deluxe-Zimmer mit einer richtigen Tür (der Rest hat nur Vorhänge) kosten 800 Euro). Einchecken kann man dann, wenn die Besucherschar um 18 Uhr wieder weg ist.









Als wir das Reiseprogramm gelesen haben, war das der Ausflug mit dem „naja machen wir halt mal mit“-Effekt. Aber wir wurden überrascht. Das Ganze ist gigantisch und die Designzimmer sind jedes für sich ein Meisterwerk. Wie viel (vergängliche) Arbeit in jedem einzelnen steckt ist echt Wahnsinn.
An der Eisbar gibt es (sauteure) Drinks in Gläsern aus Eis, die Betten sind aus Eis… einfach alles.
Eine Besichtigung ist es auf jeden Fall wert, solltet ihr mal den Weg nach hier oben finden.












Den Besuch der naheliegenden samischen Kirche mussten wir – unserem Fahrer zuliebe aufgrund der Wetterbedingungen – leider ausfallen lassen.

Der nächste Tag stand zur freien Verfügung. Es werden immer auch Wanderungen angeboten und natürlich helfen die Reiseleiter beim Buchen von Aktivitäten im Umkreis.

Wir hatten uns für eine „Sonnenaufgangswanderung“ am Morgen entschieden.
Sonnenaufgangswanderung bedeutet, dass man um 11 Uhr auf einem nahegelegenen Hügel stehen sollte um vielleicht ein kleines Zipfelchen Sonne zu sehen.

Da ich mir für den Mittag eine Schneemobiltour gebucht hatte (ohne Herrn Berger – er ist der Vernünftige von uns beiden) musste ich ein wenig Gas geben.
Was man bei Gruppentouren lernen muss, ist, dass jeder sein eigenes Verständnis von Geschwindigkeit hat….. und da ich vergessen hatte die Reiseleiter nach dem Weg zu fragen, haben wir es nicht auf den Berg geschafft – weil wir sonst nicht mehr genug Zeit für den Rückweg gehabt hätten. Also nichts mit Sonnenaufgang (ich habe mir aber erzählen lassen, dass auch die anderen nicht so viel gesehen haben ;-) und der Himmel sah auch so wirklich hübsch aus.







Herr Berger hat sich wieder zurück im Hotel auf die Langlaufski geschwungen und mit unseren rudimentären Skikenntnissen die Loipen vorm Hotel getestet. (Hier wird alles super gespurt für klassischen Langlauf und für Skater – gefühlt gibt es hier mehr Skistrecken als Wege für Fußgänger!)

Ich hingegen habe mich – eingekleidet mit einer zusätzlichen fetten Jacke und einem Helm, was man beides vom Verleiher bekommt, mit einer ebenso verrückten Mitreisenden auf ein Schneemobil geschwungen. Für zwei Stunden gings raus durch den Wald und über zugefrorene Seen.
Ich hab den Teil der Fahrt, der noch im Hellen stattgefunden hat, auf dem Rücksitz platz genommen – der Wunsch alles genauestens in mich aufzunehmen und zu fotografieren war größer wie der Wunsch selbst Gas zu geben – das konnte ich später im Dunklen noch genug.






Hier besitzt wahrscheinlich jeder Haushalt mindestens ein Schneemobil. Das ist jetzt sicherlich nicht ganz so umweltfreundlich – aber ohne ist man hier aufgeschmissen. Wir hatten noch vergleichsweise wenig Schnee – wenn es hier richtig runterschmeißt möchte ich nicht mit dem Auto unterwegs sein.

Und für mich als Geschwindigkeitsfreak war das natürlich schon ein Erlebnis. Auch wenn man aufgrund der hohen Selbstbeteiligungskosten und des geforderten Mindestabstands zum Vordermann nicht ganz so viel Gas gibt wie man will. Aber so ein zugefrorener See, die unglaubliche Weite – das macht richtig Spaß. Von der Bedienung her ist es auch sehr einfach, wenn man nicht versucht mit hoher Geschwindigkeit um enge Kurven zu fahren ;-)










Am vierten Tag im Schnee haben wir uns gleich morgens wieder auf eine Wanderung begeben. Auch hier wieder nichts Schwieriges – aber wunderschön.















Obwohl – nicht schwierig – auf dem Rückweg wollten unsere Guides einen neuen Weg ausprobieren.
An einem See entlang. So weit so einfach. Wenn man den Leuten nicht erzählt, dass der Weg im Sommer über schmale Holzbohlen führt (ca. 40 cm breit) die ein wenig höher liegen wie der eigentliche Boden. Das Ganze konnte man jetzt natürlich wegen des Schnees nicht sehen, aber der Weg war „vorgetrappelt“ so dass man gut erkennen konnte wo es lang geht. Und wenn man doch abrutscht landet man ja auch nicht 15 Meter tiefer, sondern mit dem Bein im Tiefschnee… Aber der Mensch ist wie er ist und entwickelt Ängste wo er nicht muss – und so lief die Hälfte (leider die führende Gruppe) in „Kaffeebohnen“ den Steg entlang und so hat sich der kurze Weg ein ganzes Stück in die Länge gezogen.
Aber alles haben überlebt, keiner ist abgestürzt, keiner hat sich was gebrochen ;-)

Könnt ihr euch noch an die Elche in der Stadt vom Anfang meines Berichtes erinnern?






Als wir den Wald nach der Wanderung verlassen hatten (es war gerade erst Mittag und somit noch hell) – wir laufen gerade eine öffentliche Straße mit Häusern links und rechts entlang – meint Herr Berger neben mir plötzlich leise „Elche“ und zupft an meinem Arm…

Ich hab erst gedacht er will mich veräppeln oder ich habs falsch verstanden…
Sehen konnte ich Sie nämlich auf Anhieb nicht… und doch… da stehen sie. Mitten im Vorgarten eines hübschen Häuschens und lassen sich die Hecke schmecken. Die anderen der Gruppe mussten natürlich erstmal informiert werden, damit keiner mit hastigen Bewegungen und lautem Geplapper die Elchkuh und ihre beiden Jungen verscheucht.

Uns so stehen 15 Touristen mit Kameras (und Anwohner – schließlich ist das auch hier nicht so alltäglich) mitten auf der Straße und starren und fotografieren und starren und fotografieren…
Ich habe mich bis auf zwei Meter mit einem Gartenzaun als Schutz heran gewagt und habe ein recht nettes Portraitfoto von Mama-Elch ergattern können bevor es den dreien dann wohl doch zu blöd geworden ist. Was für ein Erlebnis…

Und das nächste Highlight sollte gleich noch folgen… Die Fahrt mit den Schlittenhunden.
Neben all den tollen Dingen hier – dem vielen Schnee, Rentieren, Elchen usw., war das der Ausflug auf den ich mich am meisten gefreut habe.
Vorab – wer mal auf eigene Faust nach Jokkmokk fährt und das Erlebnis buchen möchte, dem möchte ich Matti und sein Team vonJokkmokkguiderna ans Herz legen – unglaublich liebe Menschen denen man die Liebe zu Ihren Tieren ansieht (by the way, kann man da auch noch anderes Sachen buchen ;-)






Wir werden mit dem Kleinbus im Hotel abgeholt und Mattis begrüßt uns gleich mit flotten Sprüchen, bevor wir auf die Schlitten- und Kältetauglichkeit unserer Kleidung geprüft und in fette Overalls gesteckt werden. Es gibt auch Schuhe und Handschuhe, sollten die eigenen nicht reichen. Gerade die Schuhe sollten nicht unterschätzt werden – wenn man da so zwei Stunden (eine Stunde Hin- eine Stunde Rückfahrt) unbeweglich auf dem Schlitten sitzt. Und gerade an den Füßen zieht es heftig.












Und kaum raus aus der Umkleide hört man die Hunde schon vor lauter Aufregung wie wild bellen.
Bis alle eingekleidet sind und alle in den Ihnen zugewiesenen Schlitten sitzen (immer 4 Personen pro Schlitten + Musher) vergeht mindestens eine halbe Stunde – und die Hunde sind mehr als aufgeregt und wollen am liebsten sofort los.
Wir werden dem Schlitten mit den jüngsten Hunden zugewiesen – und die 14 wunderschönen Tiere sind mega aufgedreht und kaum zu beruhigen. Für alle mit Hundeangst/-respekt – keine Angst, ich habe selten so einfühlsame und liebe Tiere erlebt. Herr Berger, der eine anerzogene Angst vor Hunden hat kann vollkommen unbehelligt neben dem Schlitten oder später im vollen Gatter stehen und die Hunde lassen ihn in Ruhe, während sie an mir hochspringen und sich knuddeln lassen. Welch ein feines Gespür…

Und als wäre die Fahrt an sich nicht schon Highlight genug, kann ich auf der Hinfahrt im Hellen den Platz ganz vorn ergattern (ich habe natürlich vorher nett gefragt ob jemand anders möchte, aber ich habe auch nicht ewig lang gewartet bis sich irgendwer dazu entschließen konnte…)









Nachdem die ersten drei Schlitten in einem atemberaubenden Licht wie in einem sehr guten Naturfilm an uns vorbeigezogen sind, geht es mit einem Ruck auch schon bei uns los.
Und prompt hab ich Tränen in den Augen – und ich gebe zu, dass sie nicht vom Fahrtwind stammten.
Ein Gefühl ganz tief empfundenen Glücks macht sich breit und ich genieße die Stunde unglaublich.

Als es dunkel wird, machen wir einen Zwischenstopp im Zelt (eins wie die Sami es auf Ihren Wanderungen benutzen) und nach einer ausgiebigen Knuddelrunde mit den Hunden und vielen Fragen an unserem Musher, gehen wir hinein. Hier brennt schon ein Feuer und Mattis unterhält die Menge mit lustigen Geschichten, Kaffee und natürlich Zimtschnecken. Kaffee unterwegs ist auch immer wieder eine Erfahrung hier. Mattis hat eine guseiserne 5-Liter-Kanne, welche er nach Augenmaß mit reichlich Kaffeepulver füllt, Wasser drauf und ab aufs Feuer… herrlich. Wir braten Fleischwurst und Speck mit dem Spieß am Feuer und die Zimtschnecken werden auch gleich so aufgewärmt…. Was ein Spaß.
Der Geruch an den Klamotten stört irgendwann auch nicht mehr ;-)







Nach der ausgiebigen Pause geht es im Dunkeln zurück – ich bin auf Sitzplatz vier nach ganz hinten gerutscht… aber auch hier gibt es noch jede Menge zu sehen – auch im Dunkeln.

Abends im Hotel gibt es diesmal kein Buffet, sondern ein Drei-Gänge-Menü. Fischroggen auf Panacotta und dem typischen Schwedenknäcke zur Vorspeise, Rentiersteak zum Hauptgang und lecker Eis mit Beeren zum Nachtisch. Das Rentiersteak ist der Grund, warum ich dann doch noch recht hungrig ins neue Jahr starten werde. Rentier hat eine ähnliche Konsistenz wie Rind (was ich nur in Form von Rouladen, Wurst oder auf dem Döner akzeptiere – Steak geht gar nicht, und es schmeckt ein bisschen nach Wild – was noch schlimmer ist wie die Rind-Geschichte…) Herr Berger freut sich über eine doppelte Portion.

Später in der Nacht starten wir unsere gemeinsame Fackelwanderung um den See am Hotel. Ein leuchtender Lindwurm zieht sich die Menschenkette durch die Dunkelheit…






Und dann gibt es noch Fackeln und Sekt am am See. Das Silvesterübliche Gratulieren mit Fremden und Bekannten, den Neujahrskuss für Herrn Berger.
Böller und Raketen gibt es hier auch – aber gaaaaaaaaaaaanz wenige. Das Ganze läuft etwas ruhiger ab.









Und da es am nächsten Tag schon um 9 Uhr weitergeht, landet der Großteil von uns schon recht zeitig im Bett.

Die Silvesternacht war übrigens auch die einzige Zeit, in der mir kalt geworden ist – das viele rumstehen und warten auf Mitternacht hat sogar mich geschafft. Und Sektgläser mit richtig dicken Handschuhen halten ist auch nicht so einfach ;-)

Der nächste Morgen startet, wie schon geschrieben, um 9 Uhr mit einer kurzen Busfahrt.
Einige Kilometer außerhalb von Jokkmokk hat Helena mit Ihren Geschwistern eine Rentierfarm. Die meisten Tieren laufen frei in der Wildnis herum, aber einige Tiere bleiben immer in der Nähe der Farm und können besucht werden.






Helena und ihr Bruder begrüßen uns in typischer Sami-Tracht – die sie, wie wir von Helena erfahren auch fast täglich tragen – einfach weil sie praktisch und warm ist. Helena erzählt viel von den Tieren. Die Eigenschaften, die Haltung, (auch über die Verarbeitung!) und über das Leben der Samen, die jährlichen Wanderungen und über die vielen Probleme die sich im Zuge der Industrialisierung ergeben haben…












Wir bekommen einen Sack Moose und Flechten – ein Leckerbissen für die Tiere im Winter – und können die Tiere füttern und streicheln – sofern sie einen lassen. Ein hübsches, noch junges, ganz weißes Rentier lässt uns ganz nah ran. Weiße Rentiere sollen Glück bringen – na dann sehen wir mal was 2020 so bringt….

Die Gruppe verstreut sich auf dem recht weitläufigen Gelände und so hat man das Gefühl allein zu sein mit den hübschen Tieren. Ein seltsam schönes Gefühl. Es ist recht ruhig und durch den Schnee gedämpft. Jeder wird allein schon durch die bloße Anwesenheit dieser Schönheiten leiser und spricht nur noch im Flüsterton. Ich wünschte wir könnten stundenlang hier stehen und zusehen….









Doch irgendwann geht es weiter – ins Zelt von Helena und ihrem Bruder. Hier erzählen Sie uns wieder viel über ihr Leben hier und die Wanderungen… und ganz nebenbei bereiten Sie uns einen leckeren Snack vor. Das mag für den ein oder anderen befremdlich wirken – erst die Tiere streicheln und bewundern – und dann gibt es das Fleisch auf Fladenbrot mit Preiselbeersoße (übrigens sehr lecker…). Aber die Sami leben davon – wie hier die Bauern mit den Kühen, Schweinen und Schafen – und auch die mag ich gern uns streichele sie sobald ich die Chance dazu habe. Das ist der Lauf der Dingtt, ich bin so aufgewachsen und hatte in meiner Kindheit den ein oder anderen „Weggefährten“ später auf dem Teller. Rentiere sind hier ein Wirtschaftszweig und dienen dem Überleben…. Es gibt sie an jeder Ecke….

Helena und ihr Bruder sind fast schon beleidigt, als zwei Damen ihre Diät vorschieben und den Snack ablehnen (nein es waren keine Vegetarier…)









Aber auch dieses Erlebnis geht gefühlt viel zu schnell vorbei.

Auf dem Rückweg halten wir am Polarkreis – also der Landmarke, an der der Polarkreis jetzt gerade liegt. Ein Felshaufen und ein Schild weißen darauf hin und so können wir mit dem einen Fuß oberhalb des Polarkreises und mit dem anderen Fuß unterhalb des Polarkreises stehen.








In ein paar Jahren, ist er dann woanders – denn der Polarkreis wandert (für wissenschaftliche Erklärungen verweise ich auf entsprechende Fachliteratur – das wird hier sonst zu viel)….

Und am Nachmittag machen wir noch eine Wanderung – mit Neujahrsumtrunk.
Auf den Hausberg von Jokkmokk, der von unten recht klein aussieht, von oben aber eine wunderschöne Aussicht bietet…












Auf dem Rückweg muss noch ein Schneeengel sein – der erste seit Jahren. Der fast darin geendet hätte, das wir liegen bleiben mussten… Schneeengel im Tiefschnee – habt ihr mal versucht hinterher daraus aufzustehen ohne den Engel zu zerstören…?






Und hier endet der Urlaub. Vom nervigen Taschepacken (für die, die es interessiert – Bergers reisen mit Trekkingrücksäcken und wir sind trotz Winterklamotten mit jeweils 14 Kilo ausgekommen… und hatten trotzdem noch zu viel mit…) und der langen Rückreise brauche ich glaube ich nicht berichten… das Gefühl eines Abreisetages kennt glaube ich jeder…

Ich hoffe ich hab euch nicht gelangweilt… es sind dann doch zwei drei Worte mehr geworden…
Wenn ihr Fragen habt, schreibt mir einfach.

Liebste Grüße



Kommentare:

  1. Was für ein Wahnsinnsbericht❤ danke fürs mitnehmen und dabei sein zu dürfen und der fast gestillten Sehnsucht nach richtig richtig viel Schnee. Toll geschrieben und ich hätte gerne noch weiter gelesen.

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    1. Danke liebe Conny - weiter gibt es leider nicht...vorerst.
      Mal sehen wann uns unsere Abenteuer wieder in die Richtung treiben

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  2. Herrlich. Dein Bericht macht richtig Lust, die Tour auch irgendwann in Angriff zu nehmen. Und doch fröstelt es einem beim lesen immer mal wieder und dann sieht man die tollen Bilder und denkt, ach wie schön. Danke fürs mitnehmen! LG Tanja

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    1. Gerne... zum Frösteln kommst du dort aber gar nicht - dafür ist man viel zu sehr abgelenkt ;-)
      LG Steffi

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  3. Oh wow, liebe Steffi. Was für ein toller Bericht. Ich fand ihn überhaupt nicht zu lang oder gar langweilig. Ich habe mich kurz gefühlt, als hätte ich Euch begleitet bei all Euren tollen Erlebnissen. Vielen Dank, dass Du sie mit uns teilst... Liebe Grüße, Lena.

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    1. Gerne Lena, freut mich dass ich dich ein Stück mitnehmen konnte

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  4. Super Bericht und garnicht zu lang! Vielen Dank :-)

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    1. Ganz vielen lieben Dank. Freut mich, dass er dir gefällt
      LG Steffi

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Vielen Dank fürs Vorbeischauen und deinen Kommentar.

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